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Stand: 06.07.2016

Pressemitteilung

Trau keinem Ort, an dem kein Unkraut wächst

Florian Kutschke-Käß, Wilma Bartholomä, Hermine Suchy, Ruth VollmerFlorian Kutschke-Käß, Wilma Bartholomä, Hermine Suchy, Ruth Vollmer

Schon seit drei Jahren können sich die Bewohner im Innenhof des Altenheims in der Rheinstraße an der frischen Luft treffen, sich an den Pflanzen und Blumen erfreuen oder auf den behindertengerechten Hochbeeten säen und ernten. Radieschen, Erdbeeren und Tomaten wachsen hier schon seit einiger Zeit. "Sehen, riechen, fühlen und jetzt auch hören. Unser Ziel ist es, alle Sinne anzusprechen", erklärt Einrichtungsleiter Florian Kutschke-Käß. Ehrenamtskoordinatorin Ruth Vollmer sorgte mit zahlreichen Mitarbeitern und Bewohnern 

dafür, dass es im Innenhof jetzt noch mehr zu erleben gibt.

Pfarrer Thomas Brenner beim EinpflanzenPfarrer Thomas Brenner beim Einpflanzen

Ein altes Klavier, bunt mit Blumen bepflanzt, erfreut nun zwar nicht mehr die Ohren, aber die Augen. Die Geschichte des Instruments, das zum Schluss im Keller vor sich hinträumte, erzählt Wolfgang Kaufhold aus der Sicht des Klaviers, das sich über die neue Aufgabe im Garten freut. Für schöne Klänge kann hier nun auch die neue Musikbox sorgen.  Im Baum darüber erzeugen bunte Notenschlüssel zarte Töne. Sie mischen sich mit dem Summen der Bienen. Eine Streublumenwiese gleich neben dem Insektenhotel wird im Sommer Nahrung für Bienen und andere Brummer bieten und noch mehr Farbe in den Innenhof bringen. Etwas zu Naschen gibt es wahrscheinlich bald bei den neuen Himbeersträuchern. Für Bienen und Bewohner hat Pfarrer Thomas Brenner 60 Sonnenblumen vorgezogen, für jeden eine. Mit ihrer Hilfe pflanzt er sie bei dem Fest gleich in die Erde. 

 

Hartmut Vollmer, Gerhard Witt, Ruth VollmerHartmut Vollmer, Gerhard Witt, Ruth Vollmer

"Da geht der Herr Pfarrer in die Knie", kommentiert der ehemalige Energetiker Gerhard Witt augenzwinkernd. Obwohl der 82-Jährige im Rollstuhl sitzt, kann er Hartmut Vollmer, dem Mann der Ehrenamtskoordinatorin, mit der Bohrmaschine zur Hand gehen, als der ein neues Schild am Pfahl gleich neben den Sonnenblumen anbringen will. "Hier blüht uns was" steht drauf und zeigt in Richtung der Blumenwiese. "Gartenglück" steht ganz oben, "Bewegung und Begegnung" weiter unten. Besonders stolz ist Vollmer auf die Tafel mit der Aufschrift "Traue keinem Ort, wo kein Unkraut wächst". 
"Ich habe die Ideen, mein Mann setzt sie um", schildert Ruth Vollmer die Zusammenarbeit. Hartmut Vollmer bekommt zur Belohnung ein Geschenk überreicht von Sigrun Sauter, der Pflegedienstleiterin. Während des Lockdowns hatte Ruth Vollmer - anders als sonst - keine Ehrenamtlichen zu betreuen. Die überschüssige Zeit und Energie steckte sie in das Garten-Projekt. "In unserer kleinen Burg mussten wir die Burgtore schließen. Wir mussten uns mit dem auseinandersetzen, was wir haben", erklärt ihr Mann. "Ein tolles Nebenprodukt der Pandemie", freut sich Einrichtungsleiter Kutschke-Käß über die Fortschritte im Innenhof.

Der Garten machte vieles möglich, was während der Pandemie nicht selbstverständlich war. Pfarrer Thomas Brenner und seine evangelische Kollegin Brigitte Reinhardt hielten hier Gottesdienste ab. In der Adventszeit spielten Turmbläser auf der Außentreppe für die Bewohner. Im Weihnachtszelt gab es Glühwein und Waffeln. Stimmungsvolle Lagerfeuerabende feierten die Bewohner mit Kutschke-Käß an lauen Sommerabenden im vergangenen Jahr mit Musik und leckerem Essen und Trinken.

Ehrenamtliche Helfer und Bewohner des Caritas-Altenzentrums Heilig Geist verschönern den Hofgarten

"Komm lieber Mai und mache", spielt Ruth Schultheis auf dem E-Piano. Für das Fest hat Serviceleiterin Margitta Priebe mit ihrem Team Maibowle gemacht. Dazu gibt es frisches Brot mit Kräuterquark und Erdbeer-Tarte. Maria Teuber schmeckt es. Mit dem Aussäen von Blumen hat sie sich ihre Bowle verdient. Auch Hermine Suchy genießt das kleine Menü. Sie hat Bohnen gezogen, die sie vor ein paar Minuten mit Hilfe von Vollmer in einen Kübel gesetzt hat. Wie viele andere Bewohner hat sie früher einen großen Garten gehabt. Gemüseanbau hat sie in ihrer Heimat nahe Karlsbad in der früheren Tschechoslowakei gelernt. Erst 1972 konnte sie nach Westdeutschland auswandern. Im Bergbau des Ostblocklandes war ihre Familie unersetzlich. 

Ehrenamtliche Helfer und Bewohner des Caritas-Altenzentrums Heilig Geist verschönern den Hofgarten

Der Kaiserwalzer erschallt aus der neuen Musikbox. Mit viel Schwung unterstützt Pianistin Schultheis, die gerade nicht spielen muss, die Ausgabe von Essen und Trinken an die Anwesenden. Ein paar Walzerschritte extra inszeniert sie für Manfred Gütermann. Der preisgekrönte Amateurfotograf und -filmer dokumentiert das Fest mit seiner Kamera. "Mal sehen, was draus wird", meint er zum geplanten Film über das Ereignis. Mittlerweile scheint die Sonne auf das bunte Treiben im Innenhof. Da leuchten die Zukunftspläne von Kutschke-Käß ein: "Verschattungen und ein Strandkorb kommen als nächstes". Dann gibt es bestimmt wieder ein Fest zu feiern.

Text und Fotos: Andrea Döring für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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